4. April 2016

Fürsprachen

Nadiye, Bündnis gegen Rassismus:

„Gedenken ist Erinnern und Mahnen. Ein Gedenkort für den im April 2012 – sehr wahrscheinlich aus rassistischen Tatmotiven heraus – ermordeten Burak greift das Erinnern und Mahnen an diesen und viele andere rassistische Morde auf.

Dieser Ort wird für mich, da ich selbst Tochter von Gastarbeitern bin, eine Errungenschaft des Gedenkens an Opfer rassistischer Gewalt sein. Er wird ein Platz sein, an dem ich den Schmerz über das, was Burak und seine Familie und Freund_innen erleiden mussten, adressieren kann – weil es weder vor Gericht noch in den Medien Raum dafür gibt.
Dieser Ort wird ein Symbol dafür sein, wie Solidarität über das Fehlen von Gerechtigkeit und Aufklärung siegt. Dieser Gedenkort wird aber auch ein Ort sein, der uns alle mahnt anzuerkennen, dass der Mord an Burak Bektas für die Kontinuität rassistischer Strukturen und Gewalt in unserer Gesellschaft steht. Ein Gedenkort für Burak vermittelt mir, dass sich die deutsche Geschichte um rassistische Gewalt und Hetze immerzu wiederholt, weil wir weder gesellschaftlich noch institutionell Rassismus konsequent entgegenstehen.
Brennende Häuser, Morde, Pogrome, klagende Familien – das alles hatten wir doch bereits – und wieder – in jüngster Zeit erst erlebt? Es fühlt sich so an, als wären diese Bilder des Schreckens und des Schmerzens zeitlos – sie erinnern an Vergangenes und warnen uns gleichzeitig vor dem, was uns bevorsteht.
So lange die weiße deutsche Mehrheitsgesellschaft nicht anerkennt, dass rassistische Einstellungen und Motive oftmals das Handeln bestimmen, so lange werden wir Migrant_innen, Schwarze Menschen, People of Color, Sinti/Sintezza und Roma/Romnija, Jüd_innen, Muslim_innen, Geflüchtete dabei zusehen müssen, dass diese Geschichte der Gewalt vor unseren Augen und an unseren Körpern wieder lebendig wird.“

Rita and Phil Holland:

„Having been affected by the racist murder of our son, Luke Holland, we fully support all that is being done for Burak Bektas family and his memory.“

Doris Liebscher, Humboldt Law Clinic Grund- und Menschenrechte, Juristische Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin:

„Ein Gedenkort verbindet. Er verbindet diejenigen, die um einen Menschen trauern mit denen, die angesichts dieses Schmerzes emphatisch und solidarisch sind. Ein Gedenkort für Burak Bektaş verbindet dieses sehr persönliche Erinnern mit der öffentlichen Erinnerung an ein uneingelöstes Versprechen: Aufklärung.
Ein Gedenkort für Burak erinnert an Fälle, in denen eine rassistische Tatmotivation voreilig ausgeschlossen und die Angehörigen vom Rechtsstaat enttäuscht wurden. Im demokratischen Rechtsstaat ist Aufklärung aber kein Almosen, sondern ein Grund- und Menschenrecht. Die Verpflichtung dazu ergibt sich aus dem Grundgesetz ebenso wie aus der Europäischen Menschenrechtskonvention. Es gilt, sie gerade dann ernst zu nehmen, wenn Rassismus als Tatmotiv im Raum steht. Die Aufklärung von Todesfällen – und ein Gedenkort, der daran gemahnt – hat damit auch eine zutiefst demokratische Funktion.“

HAU Hebbel am Ufer:

„Ein Gedenkort für Burak Bektaş kann ein wichtiger Ort der kollektiven Erinnerung und Trauer für all diejenigen sein, die sich von seinem Tod betroffen fühlen. Darüber hinaus ist es ein Ort der Mahnung für staatliche Behörden und die Bewohner*innen Berlins, die vielen unaufgeklärten Morde an Migrant*innen und den alltäglichen Rassismus, dem Menschen in Berlin und anderswo ausgesetzt sind, nicht zu ignorieren. Bis heute ist schließlich niemand für die Tat verurteilt worden. Das HAU Hebbel am Ufer unterstützt die äußerst wichtige Arbeit der Initiative, die weit über das Engagement für den Gedenkort hinaus geht, und fordert die Aufklärung des Mordes.“

Bijan Atashgahi – Fraktionsmitglied der SPD in der BVV Neukölln und Vorsitzender des Integrations-ausschusses Neukölln:

„Wenn ein junger Mensch ohne erkennbare Gründe aus dem Leben scheidet, versetzt es eine Familie, sogar eine gesamte Gesellschaft in Trauer. Der Mord an Burak Bektaş ist bis heute ungeklärt. Dieser Gedenkort sollte uns alle verpflichten, diese unmenschliche Tat aufzuklären, um seinen Eltern eine Antwort zu geben, warum Burak nicht mehr unter uns ist.“

Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992:

„Gedenken ist nichts Abstraktes. Gedenken ist immer mit den Menschen verknüpft, an die gedacht wird. Es geht um die Menschen, die fehlen; darum, sie sichtbar zu machen. Darum finden wir einen Gedenkort an Burak so wichtig. Gedenken ist immer auch ein Erinnern an Gewalt. Und es macht gewalttätige Strukturen sichtbar. Strukturen, die diese Gesellschaft prägen, Hetzreden und Pogrome und Morde ermöglichen. Rechte, rassistische und neonazistische Strukturen. Der Mord an Burak ist bis heute nicht aufgeklärt. Auch deswegen finden wir einen Gedenkort wichtig.“

Anwohner*innen-initiative Hufeisern gegen Rechts:

„In einer Zeit, in der Rassismus zu einer Alltagserscheinung in unserer Stadt geworden ist, gilt es immer wieder darauf hinzuweisen, wohin diese menschenverachtende Einstellung in letzter Konsequenz führt. Für uns bedeutet ein Gedenkort für Burak Bektaş eine bleibende Aufforderung, sich für ein tolerantes Miteinander von Menschen einzusetzen und gegen Anschauungen anzutreten, die unterschiedliche Wertigkeiten von Menschen zur Grundlage haben.“

Martina Renner – Die Linke (MdB):

„Wir brauchen einen Gedenkort für Burak Bektaş an der Stelle, wo er ermordet wurde. Dies wäre ein wichtiges Zeichen an Familie und Freund_innen, dass ihr Schmerz anerkannt wird und einen Platz im öffentlichen Gedächtnis hat. Gerade an einem Ort, der so erschreckend normal ist wie die Rudower Straße, ist es wichtig, auf die Alltäglichkeit rassistischer Gewalt hinzuweisen. Mit Burak Bektaş erinnern wir auch an viele Menschen, namentlich bekannt und unbekannt, zu deren Tod die furchtbare Frage im Raum steht: Rassismus – wieder das Motiv?“

Peter Schrott – ver.di, Bezirk Berlin:

„Die Gesellschaft hat bei jeder Ermordung von Menschen – ob durch Rassisten oder Alt- und Neunazis – die Verpflichtung, solch scheußliche Taten nicht zu vergessen, und sie durch Orte des Gedenkens wach zu halten. Deshalb unterstütze ich die Absicht, einen Gedenkort für Burak Bektaş zu schaffen, und zwar gegenüber dem Vivantes-Krankenhaus Neukölln, ganz in der Nähe der Stelle, an der er ermordet wurde.“

Jochen Biedermann – Fraktionsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Neukölln:

„Ein Neuköllner wird ohne ersichtlichen Grund auf offener Straße erschossen – und vier Jahre später ist der Mord noch immer nicht aufgeklärt. Alleine deshalb bin ich für einen Ort um an Burak zu erinnern. Vor allem aber, weil in den Ermittlungen zu viele Fragen offen geblieben, zu viele Fehler gemacht und offenbar auch die Strukturen bei Polizei und Staatsanwaltschaft gefehlt haben, professionell in Richtung eines möglichen rassistischen Motivs zu ermitteln. Deshalb brauchen wir 
einen solchen Ort: Burak zum Gedenken, uns Lebenden zur Mahnung.“